Kommentar: Das zuvor beschlossene Kostendach für die Kitasubventionen von 500’000 CHF wurde überschritten. In der Folge hat der Stadtrat per 1. April 2026 eigenmächtig eine Verschärfung der Kita-Subventionsrichtlinien beschlossen und via GRPK-Mehrheit eine Aufstockung des Kostendachs auf 800’000 CHF angeregt. Die GRPK-Minderheit, getragen von Grünen, SP, EVP und Mitte, beantragte ein Kostendach von 1’050’000 CHF, welches eine Verschärfung der Subventionsrichtlinien überflüssig gemacht hätte.

In der ersten Abstimmung siegte der Minderheitsantrag (1’050’000) über den Mehrheitsantrag (800’000) hauchdünn mit 16 zu 15 Stimmen. In der zweiten Abstimmung obsiegte dann der Mehrheitsantrag (1’050’000) über das ursprüngliche Kostendach (500’000). Dies war dank überraschend deutlicher Unterstützung der Grünliberalen möglich. Die Primarschule hat in der Folge angekündigt, dem Stadtrat die Aufhebung der Kita-Kürzungen zu beantragen.

Lange Rede kurzer Sinn: Die Kita-Subventionen werden wohl nicht gekürzt.

Ich muss jetzt ein bisschen improvisieren, Entschuldigung. Ich habe ja bereits am Anfang erwähnt, dass die Kosten für die Kinderbetreuung einem Viertel des Durchschnittseinkommens entsprechen. Der andere Faktor ist – Herr Bäumle bestreitet das, aber gut – eine Fachmeinung dazu ist, dass jeder Franken, den der Staat über Subventionen in die Kinderbetreuung investiert, mittelfristig vier Franken Steuereinnahmen generiert. Wie kommen diese Zahlen zu Stande? Was ist die Überlegung dahinter?

Seien wir ehrlich: In der Praxis ist es so, dass sich vor allem die Frauen um die Kinder kümmern. So wie sie sich ja auch in der Hauptsache um die Kranken und die Alten kümmern und um alle mögliche sonstige unbezahlte Care-Arbeit. Und das hat halt auch etwas damit zu tun – weil sie ja weniger verdienen – dass es sich einfach in vielen Fällen gar nicht lohnt, wieder arbeiten zu gehen. Am Ende hat man diese irren Kosten für die Kinderbetreuung und verdient gar nicht so viel mehr. Deshalb reduziert man den Erwerb oder macht vielleicht sogar eine berufliche Pause, kehrt vielleicht niemals ins Erwerbsleben zurück. Aber selbst wenn man zurückkehrt: Das ist natürlich ein Karrieredämpfer, wenn man diese Löcher im Erwerbsleben hat. Das wirkt sich negativ auf das Einkommen aus: Man bekommt weniger Lohnerhöhungen wegen weniger Berufserfahrung, etc. Und Geld, das man nicht verdient hat, kann man dann natürlich auch nicht versteuern. Das ist eigentlich recht einleuchtend.

Ein anderer Punkt ist: Wir haben in der Schweiz ja doch ein bisschen Probleme mit der Demografie. Das hat auch etwas damit zu tun, dass Kinder zu haben wirklich teuer ist und sich das viele eigentlich nicht leisten können. Kinderkriegen wird zunehmend zu einer Art Luxus. Wie kompensiert man das? Mit Migration. Ich habe nichts gegen Migranten, aber einige Leute in diesem Saal möchten glaube ich möglichst wenige Migranten in der Schweiz haben (Blick Richtung SVP)… Das einfach als Anmerkung.

Also, was heisst das? Wir verlieren Leute, die zum Teil sehr gut ausgebildet sind, die studiert haben auf Kosten des Staates oder andere teure Ausbildungen gemacht haben. Die gehen dem Arbeitsmarkt verloren und als Folge davon gehen Steuereinnahmen verloren. Das heisst, es ist sowohl ökonomisch als auch fiskalisch unsinnig, bei den Kita-Subventionen den Rotstift anzusetzen.

Zu guter Letzt möchte ich einfach nochmal daran erinnern, dass wir bezüglich Entlastungsangeboten ein Volksverdikt der Dübendorfer Stimmbürger:innen haben: 2020 haben gut 71% JA zum Ausbau der Tagesstrukturen gesagt und doch immerhin gut 41% haben sogar JA zur Schaffung einer Tagesschule gesagt. Da haben wir also ein sehr starkes Volksverdikt für solche Angebote. Das betrifft natürlich etwas ältere Kinder, nicht typische Kita-Kinder. Aber sinngemäss hat das eine gewisse Aussage.

Insofern möchte ich beliebt machen, dass wir dem Minderheitsantrag folgen. Danke schön.

David Siems, Gemeinderat Grüne