Der Verein IDEA Flugplatz Dübendorf hat am 23. Juni 2021 das 2. Feierabendgespräch im Restaurant Hecht durchgeführt. Thema: «Kulturerbe Militärflugplatz Dübendorf». Die Ergebnisse des Anlasses werden nachstehend im Sinne eines Kurzberichtes zusammengefasst:

Ausgangspunkt des Gesprächs war einerseits das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege EKD vom 3. März 2015 sowie anderseits das Einführungsreferat von Dr. phil. Heinz Horat, Kunsthistoriker, der über den «Umgang mit unserem Kulturerbe» referiert hat. Für seine Ausführungen grundsätzlicher Art sowie für seine freie und bildhafte Vortragsart erhielt er warmen Applaus. Die beiden Videos von TeleTop über die Einzelinitiative von Pit Wyss zeigten auf, dass der Kantonsrat ZH nicht gewillt war, den Militärflugplatz als UNESCO-Weltkulturerbe anzuerkennen und – so der ehemalige Stadtpräsident Lothar Ziörjen – «die Verfassung zu belasten, da er ja bereits richt- und gestaltungsplanerisch geschützt sei».

Das anschliessende Gespräch im Plenum zeigte, dass der Militärflugplatz Dübendorf ein einzigartiges Kulturerbe darstellt, dessen kulturhistorischer Wert als Ensemble – über alle vier Themenkategorien hinweg – unbestritten ist. Allseits anerkannt war auch, dass das Areal als Ganzes und nicht nur einzelne inventarisierte Bauten schützenswert sind. Auch stellte niemand die gutachterlichen Erkenntnisse der EKD infrage; nämlich, dass das Areal eine Schutzwürdigkeit aufweist, die von übernationaler Bedeutung ist – eben Weltkulturerbe – und ungeschmälert zu erhalten ist. Auch bestritt niemand, dass der Militärflugplatz Dübendorf, wie das Bundesamt für Kultur BAK am 24. April 2019 schrieb, die vom ISOS formulierten Qualitätskriterien für die Einstufung als Ortsbild von nationaler Bedeutung erfüllt.

Im Plenum wurde engagiert darüber diskutiert, wie diese Schutzwürdigkeit konkret umgesetzt werden soll. Fritz Wagner, als ehemaliger Stadtarchitekt von Zug und anderen Städten sozusagen von Berufs wegen ein Umsetzungsspezialist, zeigte auf, dass das Wichtigste ist, das man etwas umsetzen will. Das Etwas und das Wollen ist das Entscheidende! Frau Monika Wasenegger als Vertreterin der Fondation Franz Weber FFW erläuterte, warum die FFW sich eingeschaltet hat. Das Areal des Militärflugplatzes habe eine Grösse und Bedeutung, die über den Schutz von Einzelbauten wesentlich hinausgehe. Es gehe um eigentlichen Heimatschutz. Auf dem Spiel stünde ein überragendes Natur- und Kulturerbe. Sie habe sie vor Ort festgestellt, dass die Zerstörung dieser Natur- und Kulturwerte durch den Innovationspark bereits im Gange sei. Dies dürfe nicht hingenommen werden: Der Militärflugplatz Dübendorf dürfe nicht der Spekulation geopfert werden. Jürg Lindecker, der sich seit Jahren mit den Entwicklungen auf dem Militärflugplatz Dübendorf befasst, machte deutlich, dass mehr dahintersteckt: nämlich die Geschichte der Schweiz in gesellschaftlicher, militärischer und zivil-aviatischer Hinsicht. Nur mit dem UNESCO-Weltkultur-Label werde man diesem bestehenden Wertesystem gerecht.

Das 2. Feierabendgespräch zeigte auf, dass der Plan B der Regierung eine willkommene Chance bedeute, im Rahmen einer Gesamtschau eine Neubeurteilung der anzustrebenden Weiterentwicklung des Areales des Militärflugplatzes Dübendorf vorzunehmen. Der Verein ideafd.ch wurde aufgefordert, eine eigene Vision zu entwickeln und in die politischen Diskussionen einzubringen. Dabei wurden verschiedenste Ideen genannt, die von «Belassen des jetzigen Zustandes durch Nichtstun» bis zu «Zugänglichmachen für die Öffentlichkeit im Sinne einer Allmend» reichen. Der Referent Heinz Horat und die Podiumsteilnehmenden Monika Wasenegger und Fritz Wagner erinnerten daran, dass dieser Prozess erfahrungsgemäss sehr zeitaufwendig sei, einen langen Atem voraussetze und die gesetzlichen Spielregeln hinsichtlich Grundlagen, Alternativen, Interessensabwägung und Umweltverträglichkeit ein sorgfältiges Vorgehen erfordere.

Einiges zu diskutieren gaben die bereits vor Ort durchgeführten Bauarbeiten einerseits und die laufenden Bauarbeiten an der Wangenstrasse 66 anderseits, die am Vortag entdeckt und fotografiert worden sind. In der Baubewilligung vom 12. November 2019 steht dazu: «Es ist darauf hinzuweisen, dass das Denkmalschutzobjekt in seiner Substanz zu erhalten und während der ganzen Bauzeit durch geeignete Massnahmen wirksam zu sichern und vor Beschädigung zu schützen ist. Die beteiligten Handwerker sind darüber zu informieren und entsprechende bauliche Sicherungsmassnahmen sind zu treffen. Im Falle auftretender Probleme sind in Absprache mit der Denkmalpflege geeignete Massnahmen zum Schutz einzuleiten. Die kantonale Denkmalpflege wird über das Bauvorhaben informiert». In der Realität vor Ort werden die Sicherungsmassnahmen mit dem Bagger ausgeführt.

In seinem Schlusswort sicherte der Tagungsleiter/Moderator zu, sich der eingebrachten Erkenntnisse und Ideen anzunehmen und die nächsten Feierabendgespräche darauf auszurichten. Er stellte den Teilnehmenden einen Kurzbericht über den Anlass in Aussicht und bedankte sich für die aktive Teilnahmen und Unterstützung.

Cla Semadeni, Verein Idea Flugplatz Dübendorf