Zum Leserbrief „Wohnungsnot: Nein zu einer ideologisch motivierten Lösung“
Ich schreibe diese Zeilen am Freitag vor den Abstimmungen zu „Dübendorf für Alle“ und den Mietrechtsvorlagen. Die Verfasserin Nina Honegger-Demuth weist unter Bezug auf die NZZ darauf hin, dass 58% der Zürcher SP- und Grünen-Gemeinderatsmitglieder in Genossenschaftswohnungen leben und nur ein Bruchteil der bürgerlichen Ratsmitglieder. Für die Verfasserin ist es ein Beweis dafür, dass Genossenschafts-Wohnungen nur einem linken „Gesinnungs-Filz“ dienen würden.
Um in einer Genossenschaftswohnung leben zu können, gibt es eine wichtige Grundvoraussetzung: Man muss zur Miete wohnen. In bürgerlichen Parteien ist der Anteil an aktiven Mitgliedern, die zur Miete wohnen viel geringer als in linken Parteien und der Gesamtbevölkerung. Im Bundesparlament sind sie sogar eine ganz kleine Minderheit. Das erklärt auch, warum das Mietrecht durch die bürgerliche Mehrheit in Bundesbern seit Jahren nach und nach zu Gunsten der Eigentümerschaft und zu Lasten der Mietenden umgebaut wird: Die Eigentümer sind in der Überzahl. Wer nach einem „Gesinnungs-Filz“ sucht, findet ihn in Wahrheit hier.
Warum schreibe ich das jetzt, nachdem die Abstimmung ja bereits gelaufen ist? Die Baurechtsvergaben Gumpisbüel und Leepünt müssen noch vom Dübendorfer Gemeinderat abgesegnet werden. Wer um seine Bleibe fürchtet, soll sich einer Sache bewusst sein: Dieselben Kräfte, die in den letzten Wochen so fleissig Desinformationen über Genossenschaften und Mietrecht verbreitet haben, werden auch diese Geschäfte nach Kräften mit Dreck bewerfen – in der Hoffnung, dass genug kleben bleibt, um sie zu verhindern. Alternative Lösungen für die Wohnungsnot werden sie nicht liefern – ausser der Forderung nach weiteren Verschlechterungen des Mietrechts und natürlich dem bürgerlichen Evergreen: Stimmungsmache gegen Asylsuchende – als ob diese sich teure Neubauwohnungen leisten könnten.
Dem mietenden Mittelstand in Dübendorf empfehle ich dringend, sich bereits heute über eine Mitgliedschaft in den Genossenschaften Kalkbreite oder WBG zu informieren, den beiden Genossenschaften, die die Kostenmiet-Wohnungen realisieren sollen. Im Übrigen sind wir auf die Unterstützung und den Druck aus der Bevölkerung angewiesen, damit diese Wohnungen tatsächlich entstehen können. Ich danke allen engagierten Dübendorfer:innen zum Voraus dafür.
David Siems, Gemeinderat Grüne Dübendorf
Kommentar verfassen