Unsere Stadtbibliothek hat viel zu bieten: Ein grosses Medienangebot (vor allem viele Kinder- und Jugendbücher), ein Lesecafé mit Zeitschriften, Anlässe mit Geschichtenvorlesen und viele Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler. Dazu einen elektronischen Zugang zu zehntausenden E-Books, tausenden Hörbüchern und Magazinen sowie hunderten von Filmen und Videos. Das alles für ein Trinkgeld von 50 Franken pro Jahr – Kinder zahlen gar nichts.

Ein grosser Wermutstropfen sind die kurzen Öffnungszeiten. Die Bibliothek ist nur an wenigen Stunden pro Tag geöffnet. Zu diesen wenigen Stunden stehen sich die Besuchenden förmlich auf den Füssen rum. Und die Öffnungszeiten sind erst noch jeden Tag anders. Gerade mit Kindern in Kita, Kindergarten oder Schule muss der Bibliotheksbesuch beinahe generalstabsmässig geplant werden. Am Samstag, wenn die meisten frei haben, ist sie nur von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Ein Besuch vor oder nach dem Wocheneinkauf ist für uns immer mit viel Hektik verbunden: Man muss konstant auf die Uhr schauen, ob es für einen Besuch noch reicht. An ein gemütliches Schmökern oder Verweilen in der Kaffee-Ecke ist überhaupt nicht zu denken. Und während den Ferien und Feiertagen, wenn die Lust zum Lesen besonders gross ist, sind die Öffnungszeiten noch kürzer oder die Bibliothek bleibt ganz zu.

Angesichts der grosszügigen Ausstattung – inklusive Selbstausleihstationen (kein Bibliothekspersonal benötigt) – entsprechen diese Öffnungszeiten nicht dem Standard einer modernen Bibliothek. Die Öffnungszeiten müssten jeden Tag gleich sein – durchgehend zu Bürozeiten und samstags bis 16 Uhr. Dies auch, um ein Publikum anzuziehen, welches eher wenig Berührung zum Lesen hat. Dies legt die Sprachstanderhebung nahe, nach der über ein Drittel der Kinder in Dübendorf kaum Deutsch versteht. Längere Öffnungszeiten könnten diesem Missstand entgegenwirken.

Es ist klar, dass mit ausgedehnten Öffnungszeiten höhere Kosten anfallen. Ich bin sicher, dass die Nutzerinnen und Nutzer mit einer moderaten Erhöhung der Bibliotheksgebühren leben können. Zum Vergleich: Die Stadt- und Regionalbibliothek Uster ist werktags während acht Stunden bedient, und während acht weiteren Stunden kann sie mit einem gültigen Bibliotheksausweis frei benutzt werden (Open Library). Uster verlangt für das Jahresabonnement 67 bzw. 77 Franken. Sollte sich Dübi für ein ähnliches Modell entscheiden, wären selbst diese Preise noch ein Trinkgeld.

Sonja Manuela Maurer, Dübendorf