Anmerkung: Der Rückweisungsantrag der SVP wurde mit 10 JA zu 25 NEIN abgelehnt. Mit dem selben Stimmenverhältnis wurde die Jahresrechnung danach genehmigt.

Kennen Sie den Film „Und täglich grüsst das Murmeltier„? Der kommt mir immer in den Sinn, wenn die Stadt ihre Jahresrechnung veröffentlicht – es ist ein Déjà-vu in Dauerschleife.

Budgetiert ist für 2024 ein Überschuss von 500’000 Franken gewesen. Erwirtschaftet hat man dann 8 Millionen, also das 16-Fache.

2023 sind 2 Millionen Überschuss budgetiert und knapp 6 Millionen erwirtschaftet worden. 2022 ist ein 6-Millionen-Plus vorhergesagt und dann knapp 28 Millionen Überschuss erzielt worden. 2021 sind es 400’000 Franken im Budget versus 16 Millionen Franken in der Jahresrechnung gewesen.

Für 2025 ist jetzt ein Verlust von knapp 5 Millionen Franken budgetiert. Das bedeutet also erfahrungsgemäss, dass wir am Ende höchstwahrscheinlich mit einer schwarzen Null abschliessen werden.

Nichtsdestotrotz: Als Reaktion auf dieses vorhergesagte Defizit hat dieser Rat unter anderem das Budget für Klimamassnahmen um 85’000 Franken gekürzt. Das entspricht ungefähr einem Betrag von 2.70 Franken pro Kopf.

Ich möchte einmal rekapitulieren, was seit dieser Entscheidung in der Schweiz passiert ist:

Ende Mai hat ein Bergsturz die Gemeinde Blatten im Walliser Lötschental zerstört. Brienz/Brinzauls in Graubünden ist schon vor Monaten evakuiert worden, weil auch dort seit zwei Jahren die Gesteinsmassen über dem Dorf immer schneller ins Rutschen geraten und jetzt eben auch dieses Dorf zu zerstören drohen. Die Häufigkeit von Bergstürzen hat sich übrigens in den letzten 50 Jahren verzehnfacht. Kein Wunder: Der Permafrost, der Leim, der unsere Alpen zusammenhält, schmilzt einfach weg.

Anfang Juni haben schwere Unwetter und Überschwemmungen im Baselbiet zu 70 Feuerwehreinsätzen und einem Millionenschaden geführt. Mit höheren Temperaturen werden auch solche Ereignisse immer häufiger.

Der Sommer 2025 droht der heisseste seit Messbeginn zu werden, also den Rekord von vor zwei Jahren bereits wieder zu übertreffen. Der Rekordsommer im Jahr 2023 hat in der Schweiz 542 Hitzetote gefordert. Und ja, ich weiss: Diese Woche wird es erst mal kühler. Es geht hier um Durchschnittstemperaturen.

Zu guter Letzt hat am Donnerstag der Stromkonzern Axpo die Abschaltung von beiden Reaktoren des AKW Beznau verkündet. Die Aare ist zu warm für das nötige Kühlwasser. Einige Fantasten reden trotzdem davon, jetzt mit der Planung von neuen Schweizer Atomkraftwerken anzufangen.

Foto: Flavia Sutter pflanzt eine Linde am Ufer des Sagentobelbaches

Foto: Flavia Sutter pflanzt eine Linde am Ufer des Sagentobelbaches

Geschätztes Kollegium. Entschuldigung, wenn ich das so deutlich sage, aber: Wie der Rest des Landes setzt auch dieser Rat die falschen Prioritäten. Geld ist ein Tauschmittel und abgesehen von dieser Funktion vollkommen nutzlos. Es macht keinen Sinn, es für zukünftige Generationen zu horten, statt damit Gefahren abzuwenden, die bereits diese Generation bedrohen.

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einmal gesagt haben.

Die Welt wird nicht untergehen. Bäume pflanzen sollten wir trotzdem – und ein paar andere Sachen in Angriff nehmen. Meine Schaufel ist griffbereit.

Den Rückweisungsantrag lehnen wir ab und stimmen der Abnahme der Rechnung zu.

Danke schön!

David Siems, Gemeinderat Grüne Dübendorf