Einige Leserbriefschreibende der letzten Wochen echauffierten sich über die laufenden Tempo-30-Petitionen. Tempo 30 wird in den Leserbriefen oft als steinzeitliche Ideologie dargestellt und als Gegenspieler zum Autoverkehr gesehen, der als Zukunft der Mobilität bewertet wird. Tempo 30 wird von vielen Autofahrenden zudem als Einschränkung der persönlichen Freiheit und als Gängelung durch den Staat wahrgenommen. Die Diskussion ist mittlerweile emotionalisiert und verhärtet.
Dabei gibt es einige Fakten, die trotz aller Emotionen angeschaut werden müssten. Tempo 30 in Quartieren reduziert den Lärm und erhöht die Sicherheit auf den Schul- und Kindergartenwegen. Das ist unbestritten. Umfragen zeigen: Anwohnende in Quartieren, in denen Tempo 30 neu eingeführt wurde, sind erleichtert und fühlen sich im öffentlichen Raum sicherer. Ausnahmen bestätigen die Regel. In der Summe wertet Tempo 30 die Quartiere auf und verbessert die Lebensqualität.
Klar ist auch, dass sich die Fahrzeit für den motorisierten Verkehr bei Tempo 30 verlängert. Beim genaueren Hinsehen ist diese Verlängerung jedoch nur gefühlt: Am nächsten Fussgängerstreifen, am nächsten Lichtsignal, an der nächsten Kreuzung steht man sowieso. Die paar Sekunden, die man bei Tempo 50 gewonnen hätten und die bei Tempo 30 wegfallen, verpuffen. Die Aussage, dass Tempo 30 den Verkehr verlangsamt oder behindert, stimmt nur bedingt, insbesondere nicht in Wohnquartieren. Die baulichen Massnahmen bei Tempo 30 sind zudem erheblich billiger als der Einbau von Flüsterbelägen und Lärmschutzwänden, die bei Tempo 50 oft zur Anwendung kommen. Von den volkswirtschaftlichen Kosten durch Unfälle und Lärmbelastungen ganz abgesehen.
Das sind die rationalen und belastbaren Argumente auf der Pro- und Kontraseite. Es würde der Sache dienen, wenn sich die Tempo 30-Gegner, die oft selber verkehrsberuhigten Gegenden zuhause sind und gegen die «staatliche Gängelung» dort sicherlich nichts einzuwenden haben, sich vom Blick aus der Windschutzscheibe lösen könnten. Stattdessen könnten sie versuchen, sich in die Lage eines Quartierbewohners, eines Schulkinds oder einer älteren Person auf dem Trottoir hineinzuversetzen. Es braucht keine Ideologien, es braucht tragfähige Lösungen, mit denen alle leben können.
Benjamin Spielmann, Gemeinderatskandidat Grüne Dübendorf














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