Sehr geehrter Herr Ratspräsident
Der Stadtrat wird eingeladen, die Gebühren und den Ablauf des Einsammelns/Abgebens für die Kunststoffsammelsäcke zu überprüfen.
Die Stadt Dübendorf arbeitet im Bereich Kunststoffsammelsäcke mit kunststoffsammelsack.ch zusammen.
Tanja Boesch: Gibt es eine Preisabsprache betreffend der Verkaufspreise für Kunststoffsammelsäcke zwischen der kunststoffsammelsack.ch und den angeschlossenen Gemeinden? Vor drei Jahren, gab es Gemeinden, die die Plastiksammelsäcke sehr viel günstiger oder gar gratis angeboten haben.
Stadtrat: Die Preise der Kunststoffsammelsäcke in Dübendorf, Uster, Volketswil, Küsnacht, Stäfa und Pfäffikon sind gleich. Die Sackpreise aller Anbieter können kantonal wie regional variieren. Gratissäcke sind uns keine bekannt. Bei der Einführung der Kunststoffsammlung wird meistens einmalig ein Gratissack abgegeben. So war es auch in Dübendorf.
Tanja Boesch: Ist für den Stadtrat der Weg des Kunststoffrecyclings – nach dem die Abfälle in Deutschland angekommen sind – nachvollziehbar? Gern. Webseite von kunststoffsammelsack.ch wird der gesammelte Plastik von Vogt Plastic mit Sitz in Rheinfelden Deutschland verwertet, jedoch sind die gemachten Angaben dazu sehr spärlich.
Stadtrat: Auf der Webseite von Vogt (vogt-plastic.de) wird deutlich aufgezeigt, wo die gewonnenen Regranulate aus der Kunststoffsammlung in der Industrie eingesetzt werden. Im Onlineshop von kunststoffsammelsack.ch gibt es verschiedene Produkte zu kaufen, welche direkt aus den Regranulaten des Kunststoffsammelsacks hergestellt werden. Auf der Webseite von upboards.ch gibt es weitere Produkte aus der Kunststoffsammlung. Einsatzmöglichkeiten dieser Produkte sind auch an der Hauptsammelstelle in Dübendorf zu finden.
Gemäss einer Untersuchung des Fraunhofer Instituts aus dem Jahre 2023 werden mit der Kunststoffsammlung und der Verwertung durch Vogt in Rheinfelden netto C02-Emmissionen eingespart.
Tanja Boesch: Greenpeace, KEZO und auch der Konsumentenverband der Schweiz sind sehr skeptisch, was das Sammeln von Kunststoff angeht. Sie gehen davon aus, dass rund 80 % des gesammelten Kunststoffs in der Verbrennung landen, wenn nicht hier, dann im Ausland. Wie stellt sich der Stadtrat zu diesen Statements?
Stadtrat: Die Zahlen gemäss Monitoringbericht 2024 des AWEL zeigen ein anderes Bild. Im Kanton Zürich wurden über die beteiligten Systembetreiber insgesamt 1’965 Tonnen Kunststoffe gesammelt. Davon wurden 1 ‚091 Tonnen stofflich (über 50 %), der Rest thermisch verwertet.
Tanja Boesch: Geht man davon aus, dass der oft sehr minderwertige Kunststoff, der in den Säcken gesammelt wird, zum grössten Teil in der Verbrennung landet, wie lässt sich dann unter diesen Voraussetzungen ein Preis von Fr. 19.- pro Rolle 35 Liter Säcke rechtfertigen?
Stadtrat: Trotz des Preisaufschlags per 1. Januar 2025 sind die Dübendorfer Kunststoffsammelsäcke bei allen vier Grössen günstiger als die Kehrichtsäcke. Dies ist nicht in jeder Gemeinde der Fall. Es besteht also weiterhin der finanzielle Anreiz für die Haushalte, Kunststoffabfall separat zu sammeln. Der Preis von Fr. 1.90 pro 35 Liter-Sack beinhaltet die Herstellung, den Vertrieb, die Logistik und die Verwertung. Vertrieb und Logistik werden durch die Schneider Umweltservice AG umgesetzt.
Tanja Boesch: Sieht der Stadtrat eine Alternative zur nachhaltigeren Sammlung? Z.B. bei der Sammelstelle Behälter, die genau definieren welche Kunststoffe sinnvoll recycliert werden können?
Stadtrat: Wie oben erwähnt ist die von Dübendorf genutzte separate Kunststoffsammlung gegenüber einer Direktverbrennung via allgemeinen Kehricht punkto Carbon Footprint besser. Andere Kunststoffsammelsysteme dürften in etwa vergleichbar sein. Aktuell sind dem Stadtrat keine ökonomisch und ökologisch besseren Alternativen bekannt. Im Zusammenhang mit einer möglichen Änderung der Verpackungsverordnung ab 2027 geht die Richtung klar zur gemischten Kunststoffsammlung. Das bedeutet, dass ab dann die Verpackungen aus dem Siedlungsabfall-Monopol ausscheiden und die Sammeltätigkeit frei zugänglich wird. Grundsätzlich ist die Sammlung von Kunststoffen freiwillig und kann nach wie vor mit dem Hauskehricht erfolgen.
Begründung:
Die Bevölkerung wird immer wieder mit neuen zusätzlichen Kosten belastet. Fallen diese Kosten im Umweltbereich an, sollte sie jedoch auch wirklich nachhaltig sein.
Der Konsumentenschutz schreibt dazu (etwas verkürzt):
Vorgetäuschter Kreislauf
Die Plastikindustrie hat Einwegprodukte als praktisch vermarktet und Recycling als Lösung für Abfallprobleme präsentiert. In Realität führt Recycling jedoch nicht zu weniger Plastik, sondern steigert den Konsum und sichert Gewinne der Ölindustrie. So wurde etwa Exxon Mobil wegen Irreführung über Recycling verklagt.
RecyPac in der Schweiz
Die neue Branchenorganisation will ein landesweites Sammelsystem für Plastikverpackungen und Getränkekartons einführen. Doch das ist primär ein Marketinginstrument- da Recycling weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Plastik enthält unzählige Chemikalien und Additive, die ein echtes Recycling verunmöglichen. Die Schweizer Quote liegt deshalb bei nur 10 % (inkl. PET}.
Mehrweg statt Recycling
Früher existierte in der Schweiz ein funktionierendes Mehrwegsystem aus Glas. Glas ist schadstofffrei, verursacht kein Mikroplastik und lässt sich problemlos wiederverwenden. Statt teure Sammelsysteme aufzubauen, braucht es eine Rückkehr zu Mehrweg-Glaslösungen.
Im Zusammenhang mit der Kunststoffsammlung das Verursacherprinzip zu bemühen und nur den Konsumenten die Kosten aufzuerlegen, ist unserer Meinung nach nicht korrekt.
Für die gewissenhafte Beantwortung der Interpellation danken wir schon im Voraus bestens
Tanja Boesch, Gemeinderätin EVP
David Siems (Grüne), Remo Stadler, Marco Lang, Patrick Schärli, Bruno Eggenberger, Reto Heeb (Mitte), Erika Attinger, Nicole Zweifel, Thomas Maier, Rico Eberle, Helena Boss Brühwiler, Angelika Murer Mikolasek, Andrea Brühlmann (GLP/GEU), Urs Menet, Sofia van Moorsel, Leandra Columberg (SP)













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