Die jüngste Budgetdebatte im Dübendorfer Gemeinderat hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Während das Parlament den Steuerfuss senkt – ein Schritt, den die bürgerliche Mehrheit von SVP und FDP als Erfolg feiert – scheint man für das grosse Ganze völlig blind zu sein. Wir stecken in einem Paradoxon, das unsere Existenzgrundlage bedroht.
Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Die Künstliche Intelligenz (KI) nutzt unsere Daten – unser kollektives Wissen, unsere Texte, unsere Bilder und unsere tägliche Arbeit –, um hocheffizient zu werden. Doch im Gegensatz zu den Bürgern, deren Arbeitsplätze sie zunehmend wegrationalisiert, zahlt die KI keinen Rappen Steuern. Ein Roboter bezieht kein Gehalt, er zahlt keine Einkommenssteuer, er trinkt in Dübendorf keinen Kaffee, isst nichts und er zahlt hier keine Miete. Er entzieht unserem lokalen Wirtschaftskreislauf massiv den Treibstoff: die menschliche Kaufkraft.
Dass die Mehrheit im Parlament diesen Moment nutzt, um Steuern zu senken, während die langfristige Einnahmenbasis unserer Stadt – die menschliche Arbeit – erodiert, zeugt von einer gefährlichen Kurzsichtigkeit. Die Skepsis der SP, die diesen Schritt als fragwürdig bezeichnete, ist berechtigt, greift aber logisch auch viel zu kurz: Es geht nicht nur um soziale Ausgaben, sondern um das mathematische Überleben unseres Steuerstandortes.
Ich werfe dem Parlament einen «Probeknochen» hin: Hat die Stadt Dübendorf eigentlich eine Idee, wie sie die Stadtkasse in zehn Jahren füllen will? Wenn die Lohnsteuer als Hauptpfeiler wegbricht, weil die Arbeit von Maschinen erledigt wird, die keinen Beitrag zu unserem Gemeinwesen leisten, begeht unser System ökonomischen Selbstmord.
Dübendorf will Innovationsstadt sein. Dann beweisen Sie es jetzt im Kleinen. Diskutieren wir Ideen, statt uns in kurzfristigen Steuergeschenken zu verlieren. Wir müssen uns dringend etwas einfallen lassen, um unsere Infrastruktur und den sozialen Frieden langfristig zu sichern. Parlamentarier müssen ihr Können jetzt für den Ernstfall auf den Tisch legen – bevor uns das Silicon Valley oder Brüssel die Regeln diktiert.
Heinz Keller, Dübendorf













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