Zum Leserbrief „SP und Grüne tragen zur Polarisierung bei“ im Glattaler vom 2. April 2026

Am 15. März musste ich in Dübendorf ein Plakat der Grünen austauschen, weil es mit einem Hakenkreuz beschmiert war. Ein Detail, welches der Verfasser des Leserbriefes auslässt. Harmlose Schmierereien wie falsche Schnäuze oder Zahnlücken nehmen wir Grünen in der Regel mit Humor und lassen das Plakat so stehen. Wenn aber in dieser Weise die Ermordung von 6 Millionen Juden und anderen Menschen bagatellisiert wird, reagieren wir schnell. Als pointierte Antwort auf diesen Vorfall habe ich Fotos vom Plakattausch auf Instagram hochgeladen – mit Ché auf der Brust und unterlegt mit der Partisanenhymne „Bella Ciao“.

Foto: Mit Nazi-Symbolen verschmiertes Plakat der Grünen

Foto: Mit Nazi-Symbolen verschmiertes Plakat der Grünen

Leider fand dann im genannten Leserbrief gleich die nächste Bagatellisierung des Holocausts statt: Der Verfasser (nebenbei erwähnt ein FDP-Gemeinderatskandidat) vergleicht darin Ché Guevara mit Adolf Hitler.

Die kubanische Revolution bezweckte die Absetzung des von den USA unterstützten Diktators Fulgencio Batista und kostete einige tausend Menschenleben. Das NS-Regime ermordete hingegen Zweidrittel aller aschkenasischen Juden und in einer Reihe von unprovozierten Angriffskriegen weitere 50 Millionen Menschen.

Wenn wir über Geschichte reden, spielen Zahlen und Kontext eine grosse Rolle. Churchill oder Roosevelt bezeichnen wir aus genau solchen Gründen nicht als Massenmörder: Sie haben ein völkermordendes Imperium beseitigt und keinen Angriffskrieg geführt. Dass dabei viele deutsche Zivilisten gestorben sind, ist bedauerlich, war aber unvermeidbar. Auch unsere beiden mythologischen Nationalhelden Tell und Winkelried stehen symbolisch für den opferreichen Befreiungskampf der Eidgenossen von den Habsburgern.

Ich hoffe, dass der Glattaler seine journalistische Verantwortung zukünftig ernster nimmt und ein bisschen darüber nachdenkt, welche Texte guten Gewissens abgedruckt werden können. Es erscheinen im Glattaler sporadisch Leserbriefe, die nicht den Richtlinien des Presserates entsprechen oder sich in Einzelfällen gar hart an der Grenze des Justiziablen bewegen.

Ob ich in dieser Sache eine Beschwerde beim Presserat einreichen werde, hängt davon ab, ob meine Richtigstellung im nächsten Glattaler abgedruckt wird – wie es in den Richtlinien der Zeitung (Letzte Ausgabe vor Wahlen und Abstimmungen ist für Richtigstellungen reserviert) vorgesehen ist.

David Siems, Wahlkampfleiter Grüne Dübendorf