«Warum die Schweiz ihre Grenzen wieder schützen muss», «Die Schweiz darf nicht in eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland geraten» und «Demokratie-Aushebelung durch Paket-Splitting», Ausgabe vom 30. Oktober

Letzte Woche sass ich im Zug bei Chiasso. Grenzbeamte gingen durch den Wagen, Kontrollen gibt es also schon heute. Auf der anderen Seite gab es gute Pasta, und ich habe gesehen, wie eng das Tessin und Norditalien wirtschaftlich verbunden sind. Davon profitieren wir.

Den Verfassern der Leserbriefe vom 30. Oktober danke ich für ihre Beiträge. Sie zeigen, wie ernst ihnen die Zukunft unseres Landes ist. Mit der Grenzschutz-Initiative, dem Kriegsmaterialgesetz und einer Ablehnung der Bilateralen III wollen sie Sicherheit und Unabhängigkeit sichern. Dieses Anliegen teile ich. Mein deutscher Grossvater war im Zweiten Weltkrieg Soldat und kam in französische Kriegsgefangenschaft. Mein Schweizer Grossvater stand in Gstaad längst wieder in seinem Schuhgeschäft, als er noch in Frankreich sass. Wie nah Krieg und Frieden beieinanderliegen, hat meine Familie erlebt.

Darum würde ich fast alles tun, um einen Krieg zu vermeiden. Mit Waffen allein hat die Schweiz aber wohl wenig zu gewinnen: Grossmächte setzen ihre Interessen durch, und Weltkonzerne sind längst bis in unsere Stube vorgedrungen. Allein sind wir verletzlich. Ich wünsche mir deshalb eine Schweiz, die ihre Zukunft gemeinsam mit den Nachbarn gestaltet.

Auf dem Spiel steht für mich unsere Demokratie. Wenn einige wenige globale Tech-Konzerne über unsere Daten, unsere Informationen und unsere Meinungsbildung bestimmen, kann ein kleines Land wie die Schweiz ihnen allein wenig entgegensetzen. Zusammen mit unseren europäischen Nachbarn haben wir mehr Gewicht. Auch bei uns in Dübendorf zeigt sich der Wert der Zusammenarbeit. Empa und Eawag forschen mit europäischen Partnern und profitieren von EU-Forschungsgeldern. Mit den Bilateralen III bleibt die Schweiz in diesen Programmen dabei und bringen die unabhängige Schweizer KI Apertus zur Reife.

Ich verstehe, dass es die Grenzbeamten bei Chiasso braucht, aber anstatt mehr von Ihnen einzustellen möchte ich mit den guten Schweizer Diensten dafür sorgen, dass weniger Flüchtige kontrolliert werden müssen. Ich wünsche mir, dass wir uns für den regionalen und globalen Frieden einsetzen und solidarisch sind mit allen, die die Menschenrechte achten. «Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit des Bösen, sondern auch die Anwesenheit des Guten.», sagt der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder.

Vivian Hauss, Dübendorf