Entgegen der Behauptung von Jean-Jacques Hegg würde die Annahme der Ecopop dem Umweltschutz eben doch nichts bringen. Der Klimawandel findet auch statt, wenn das CO2 statt in der Schweiz in der Lombardei oder im Elsass ausgestossen wird (zumal ein verstärkter Grenzgänger-Verkehr dafür sorgen wird, dass es nicht so ist).
Bezüglich lokalen Umweltproblemen wie Feinstaubbelastung oder dem Verlust von Landwirtschafts- und Naturraum ist es sicher richtig, dass diese rein mathematisch der Einwohnerzahl mal der Umweltbelastung pro Kopf entsprechen. Nur ist der jährliche Bevölkerungszuwachs verglichen mit der Zahl der bereits hier lebenden Menschen sehr gering, so dass Ecopop nur einen kleinen Einfluss auf die Einwohnerzahl hat.
Energie- und Wasserverbrauch, Individualverkehr und der Verlust von Kulturland nimmt hingegen viel stärker als die Einwohnerzahl zu. Wirkungsvollere Gegenmassnahmen wären etwa verdichtetes Bauen (mit entsprechend geringeren Pendlerströmen und neu erstellten „Hüsli“ in der Landschaft), Belohnung energiesparenden Verhaltens, Förderung des Recyclings oder einer Einschränkung des Fleischkonsums (ein Rind trinkt bis zur Schlachtung 24’000 Liter Wasser und frisst etwa 8’500 kg Futter, welches angepflanzt und bewässert werden muss). Solche Verbesserungen werden zum Beispiel mit der Initiative für eine grüne Wirtschaft angestrebt.
Sicherlich ist es ungerecht, ausgebildete Ärzte und Pflegepersonal aus anderen Staaten abzuziehen. Dem ist allerdings in erster Linie mit Verbesserungen der in diesen Bereichen lange vernachlässigten Ausbildung und der Abschaffung des „numerus clausus“ entgegenzuwirken. Ohne diese Massnahmen drohte mit einer Annahme der Ecopop-Initiative eine akute Unterversorgung. Das Gleiche gilt für den Informatik- und Technologiesektor. Mit einer Förderung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) könnten wir unseren Bedarf an solchen Fachkräften besser decken. Wieso ist die Informatik hierzulande weitgehend eine Männerdomäne, während im Ausland der Frauenanteil viel höher ist?
Die Schweiz kann ungleich mehr gewinnen, wenn sie sich auf ihre Stärken in der Berufsbildung und Innovation besinnt (nicht umsonst haben wir die tiefste Jugendarbeitslosigkeit in Europa) und dank ihrer Einbettung in Europa davon profitieren kann, als mit ängstlicher Abschottung.
Beat Hess, Grüne Partei Dübendorf
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