Wer eine Wohnung kauft, nimmt dafür in der Regel eine Hypothek auf. Das findet niemand anrüchig. Die Wohnung ist eine Investition für die Zukunft. Deshalb ist es gerechtfertigt Geld dafür auszugeben, welches erst in der Zukunft verdient wird. Wenn man hingegen Ferien mit einem Kleinkredit bezahlt, ist das nicht der Fall. Die Ferien finden jetzt statt und sollten daher auch jetzt bezahlt werden.

Das ist bei einem Gemeinwesen nicht anders: Wenn die Stadt Dübendorf Kredite aufnehmen müsste, um die Löhne ihrer Angestellten zu bezahlen, wäre das eine Katastrophe und man müsste sofort entschieden handeln. Wenn aber für ein Hallenbad oder eine Schule Geld geliehen werden müsste, wäre das überhaupt kein Grund zur Sorge. Kaum eine Gemeinde bezahlt solche Generationenprojekte aus der Portokasse. Und weil künftige Generationen davon profitieren, ist es auch gerechtfertigt, dass diese einen Teil davon über Schulden abbezahlen.

Die Schuldenbremse, über die wir am 15. Mai abstimmen, ignoriert diesen einfachen und wichtigen Unterschied komplett. Schulden werden pauschal als etwas böses abgekanzelt, egal wofür sie aufgenommen werden. Diese Denkweise verunmöglicht eine weitsichtige, zukunftsgerichtete Finanzpolitik und ist mit ein Grund dafür, dass Dübendorf seit Jahren unter einem Investitionsstau leidet.

David Siems, Dübendorf