Kommentar: Das Postulat #OpenLibrary für #Dübendorf wurde mit 31 zu 4 Stimmen aufrechterhalten.
Stadtrat: Das Postulat von David Siems (Grüne) und 16 Mitunterzeichnenden zur Aufrüstung der Stadtbibliothek mit Open Library-Funktion wird wie folgt beantwortet:
Einleitung
Die Einrichtung einer Open Library wäre für die Einwohnerinnen und Einwohner Dübendorfs ein wertvoller und attraktiver Schritt in der Weiterentwicklung des Bibliotheksangebots. Zu den im Postulat geschilderten Voraussetzungen und Anregungen ist Folgendes anzumerken:
Personelle Ressourcen
- Öffnungszeiten von bis zu 16 Stunden täglich ziehen auch die Erweiterung der bedienten Zeiten nach sich (5-6 Tage/Woche). Nach den unbedienten Zeiten am Wochenende (1.5 Tage) ist es wichtig, dass am Wochenanfang wieder Fachpersonal vor Ort ist, um die Kundschaft zu beraten und um allfällige technische und andere Probleme vom Wochenende zu klären. Der aktuelle Stellenplan reicht dafür nicht aus.
- Ein Bibliotheksbetrieb von 112 Stunden/Woche bringt einen erheblichen Mehraufwand für tägliche Aufräum- und Ordnungsarbeiten mit sich (Bibliotheksräume, Lesecafe, WC). Hierbei handelt es sich um Tätigkeiten, die nicht vom Fachpersonal übernommen werden sollten, sondern z.B. von Aushilfen und einer externen Reinigungsfirma.
- Zum Vergleich: Während der Stellenplan der Stadtbibliothek 310 % umfasst, verfügt die Stadt- und Regionalbibliothek Uster über 900 %. Hinzu kommen Aushilfen (Schüler/innen, Studierende), die täglich am Abend 2 Stunden Medien versorgen und aufräumen. Zudem werden sonntags in Uster für Routinearbeiten am Morgen und am Nachmittag Freiwillige eingesetzt.
- Aufgrund der Lage in Bahnhofsnähe und der Erfahrungen der vergangenen Jahre (Vandalismus auf dem Gelände und im Gebäude) empfiehlt es sich, an unbedienten Abenden vor der Schliessung die Bibliotheksräume zu kontrollieren und die Besucherinnen und Besucher zum Gehen aufzufordern. Diese Aufgaben sollten am besten von Mitarbeitenden einer Sicherheitsfirma übernommen werden.
Zutritt mit RF/O-Bibliothekskarte
- Für eine Open Library im „Bettli“ ist ein separater, verlässlicher Eingang notwendig. Sowohl die jetzige Eingangstür der Bibliothek als auch der Haupteingang des Gebäudes sind für eine Nachrüstung mit einem RFID-gesteuerten Zutrittssystem nicht geeignet, da es vereinzelt immer mal wieder Störungen beim automatisierten Schliessen gibt. Es ist ausserdem nicht wünschenswert, dass sich Besucherinnen und Besucher ausserhalb der Bibliothek im gesamten Gebäude aufhalten.
- Die im Postulat erwähnten Türen sind nicht geeignet, da sie nicht in die öffentlichen Bereiche der Stadtbibliothek führen. Der Zugang über Park und Terrasse birgt diverse Sicherheitsrisiken (unzureichende Beleuchtung; die Rückseite des Gebäudes ist nicht gut einsehbar; die Aussentreppe ist nicht barrierefrei).
- Besonders wichtig für eine Open Library: Ein Zugang zum WC. Dieses ist nur über die Eingangstür der Bibliothek erreichbar. Da es sich um eine Fluchttür handelt, die jederzeit von innen geöffnet werden kann, hätten Besucherinnen und Besucher gleichzeitig Zugang zum gesamten Gebäude. Verschliesst man diese Tür, könnten die Besucherinnen und Besucher das WC nicht nutzen.
- Aus den oben genannten Gründen ist es sinnvoll, für einen Open Library-Zugang eine neue Lösung zu entwickeln, die sowohl den betrieblichen Anforderungen als auch den Sicherheitsaspekten gerecht wird.
Kosten
Mit der Einrichtung einer Open Library fallen einmalige und wiederkehrende Kosten an für:
- Einbau eines separaten Eingangs, der ausschliesslich Zugang zur Bibliothek gewährt.
- Installation RFID-Zutrittssystem, inkl. RFID-Gates.
- Installation Videoüberwachung in allen Räumen.
- Einrichtung intelligente Beleuchtung.
- Einrichtung Zahlterminals.
- Installation Lautsprecheranlage.
- Diverse Elektroinstallationen (Leitungen, Steckdosen)
- Umgestaltung des Eingangsbereichs für die Medienrückgabe (zurzeit zu klein für unbeaufsichtigte Selbstrückgabe).
- Umgestaltung des Thekenbereichs (verschliessbare Schränke u.ä.).
- Umgestaltung der Bibliotheksräume für mehr Aufenthaltsqualität.
- Anschaffung von Mobiliar (Arbeits-/Lernplätze; Leseecken etc.).
- Höhere wiederkehrende Betriebskosten.
- Höhere wiederkehrende Personalkosten.
- Höhere wiederkehrende Medienkosten wg. Medienverlust (Diebstähle, fehlerhafte Verbuchungen).
Überblick: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken
Stärken
- Erweiterte Öffnungszeiten an 7 Tagen/Woche sowie ca. 12-16 Stunden/Tag bieten Personen, die unter der Woche wenig oder keine Zeit für einen Besuch haben,
mehr Flexibilität. - Der physische Medienbestand und Räume können besser genutzt werden.
- Anpassung an modernes User-Verhalten: Digitalisierung; Seif Service.
- Selbstbedienung via RFID ist bereits eingeführt und akzeptiert.
- Effizienter Personaleinsatz: Die Ressourcen des Fachpersonals können in die Beratung, Vermittlung (z.B. Leseförderung, Schulungen usw.) sowie die Entwicklung zeitgemässer Angebote investiert werden.
- Aufwertung als Freizeitort: Die Bibliothek gewinnt als Treffpunkt an Bedeutung, auch am Wochenende („öffentliches Wohnzimmer“).
- Aufwertung als Lernort: Lern-/Arbeitsplätze stehen täglich und länger zur Verfügung.
Schwächen
- Keine persönliche Unterstützung durch das Personal bei Problemen.
- Diebstahlsanfällige Medien sind zu unbedienten Zeiten nicht ausleih bar (Nintendo Switch Games, Lern- u. Hörfiguren).
- Investitionen für diverse Umbaumassnahmen.
- Höhere jährliche Betriebskosten (Strom, Heizung, Reinigung, IT-Lizenzen und Supportverträge)
- Höhere Medienkosten, da mit einer höheren Verlustquote zu rechnen ist.
- Höhere Personalkosten: Qualifiziertes Personal zu bedienten Zeiten an 5 Tagen/Woche
- Höhere Personalkosten: Aushilfen für tägliche Aufräumarbeiten u. das Versorgen von Medien.
- Mehr Kontrolle notwendig (Videoüberwachung, Ahndung von Fehlverhalten/Straftaten).
Chancen
- Anlässe können unbediente Zeiten beleben und bekannt machen.
- Gewinnung neuer Zielgruppen am Abend u. am Wochenende, z.B. Berufstätige, lernende, Familien.
- Imagegewinn: Die Stadtbibliothek wird als moderne Institution wahrgenommen.
- Deutliche Etablierung der Stadtbibliothek als sog. „Dritter Ort“, d.h. als Treffpunkt für alle Altersgruppen mit Aufenthaltsqualität, niedrigschwellig und ohne Konsumzwang.
- Positive Imagewirkung für Stadtbibliothek und Stadt: Die Stadtbibliothek entwickelt sich zum „Wohnzimmer Dübendorfs“.
Risiken
- Akzeptanzverlust bei traditioneller Stammkundschaft: Zu unbedienten Zeiten erhalten diese keine direkte Hilfe bei individuellen Anliegen und Problemen.
- Sicherheitsrisiken: Sachbeschädigungen, Diebstahl, unbefugter Zutritt.
- Nutzungskonflikte wg. fehlender Kontrolle bei Fehlverhalten einzelner Besucher/innen: Wer regelt störendes Verhalten, Lärm oder Gewalt?
- Kritik an Videoüberwachung durch Kundschaft und Personal.
- Technische Ausfälle (Zutrittssystem, Selbstverbuchung): Kein unmittelbares Eingreifen möglich.
- Was tun im Notfall? (Evakuierung, Fluchtwege etc.).
- Wer haftet bei Schäden? (Sachen, Personen).
Fazit
Eine Open Library ist eine zeitgemässe Dienstleistung, die den Besucherinnen und Besuchern durch verlängerte Öffnungszeiten eine deutlich flexiblere Nutzung der Stadtbibliothek ermöglicht. Sie bietet nicht nur zusätzliche Zeiten für die persönliche Medienausleihe, sondern auch die Möglichkeit, die Räume für Lernen, Arbeiten und Freizeit – insbesondere am Wochenende und zu Randzeiten – zu öffnen.
Damit dieses Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden kann, sind sowohl einmalige Investitionen als auch höhere wiederkehrende Ausgaben für Sicherheit, Technik, Betrieb und Personal zu berücksichtigen.
Die Einführung einer Open Library sollte schrittweise erfolgen. Der Prozess benötigt einen Vorlauf von ca. 1.5 bis 2 Jahren. Erfahrungen aus anderen Bibliotheken zeigen, dass Open Libraries zu mehr Kundinnen und Kunden führen und so auch höheren Einnahmen generieren können. Eine deutliche Erhöhung der Abonnementkosten, wie sie in Uster vorgenommen wurde, sollte vermieden werden. Alle Interessierten sollen weiterhin in der Lage sein, die Stadtbibliothek Dübendorf zu benutzen, unabhängig von ihrer persönlichen finanziellen Lage.
Am aktuellen Standort „Bettli“ liesse sich eine professionelle Open Library mit geeigneten baulichen Massnahmen realisieren, insbesondere beim Zutrittssystem und durch eine Neuordnung der Flächen im Erdgeschoss. Die bestehenden Räume sollten neu gestaltet werden, um den reibungslosen Betrieb zu gewährleisten und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. So könnte die Stadtbibliothek zu einem Ort werden, an dem sich Besucherinnen und Besucher gerne auch für einen längeren Zeitraum in den Bibliotheksräumen aufhalten und sich dabei sicher fühlen können.
Das Konzept Open Library wird in die Machbarkeitsstudie für das Bettli-Gebäude betreffend Aufbau soziokultureller Begegnungsräume mitaufgenommen.
Dem Gemeinderat wird beantragt, gestützt auf Art. 38 Abs. 3 lit. c der Geschäftsordnung des Gemeinderates, das Postulat „Aufrüstung der Stadtbibliothek mit Open Library-Funktion“ aufrechtzuerhalten.
Stellungnahme Grüne
Guten Abend miteinander. Ich danke dem Stadtrat für seine Stellungnahme zur Open Library. Da seine Überlegungen dazu nicht dramatisch von meinem Vorstoss abweichen, möchte ich das Ganze jetzt nicht noch einmal durchgehen, sonst wird es ein bisschen redundant. Ich möchte Euch stattdessen noch ein bisschen Kontext zum Postulat und zur Situation in Dübendorf zur Verfügung stellen.
Der Verband der schweizerischen Bibliotheken „Bibliosuisse“ hat Richtlinien zur Grösse von Bibliotheken ausgearbeitet. Die geben zu einigen Kennzahlen Empfehlungen ab, die sich an der Grösse der Gemeinde orientieren. Wie ihr da sehen könnt, geht Bibliosuisse beispielsweise von einem Bedarf von 1.5-2 Medientiteln pro Einwohner:in in der Gemeinde aus. Da geht’s nicht nur um Bücher, sondern auch um Filme und Tonträger. Die Empfehlungen gehen nur bis zu einer Bevölkerung von plus 10’000, aber ab da kann man das grundsätzlich hochrechnen. Das habe ich mal für Dübi gemacht.
Bibliosuisse geht für eine Stadt mit 30’000 Einwohner:innen von 900 Stellenprozenten, 1’200m2 und 48-64’000 Medien als Richtgrösse aus. Bei den Öffnungszeiten kommen wir mit dieser Hochrechnung auf 120 Stunden pro Woche. Das ist etwas, was man ohne unbediente Öffnungszeiten wohl nicht stemmen könnte. Es ist ja aber auch nur eine grobe Empfehlung. Jetzt wollen wir mal schauen, wie der Ist-Zustand in unserer Bibliothek ist.
Ihr seht: Das ist überall deutlich weniger. Bei den Büchern haben wir beispielsweise nicht eineinhalb Medien pro Kopf, wie mindestens empfohlen, sondern eineinhalb Köpfe pro Medientitel. Was das konkret bedeutet, sehen wir auf Folie 4:

Gemäss den Richtlinien von Bibliosuisse hat die Stadtbibliothek Dübendorf in etwa die richtige Grösse für eine Stadt mit 10’000 Einwohner:innen
Unsere Stadtbibliothek hat bei den meisten Kennzahlen so in etwa die richtigen Dimensionen für eine Stadt mit 10’000 Einwohner:innen. Mit Ausnahme von einem wichtigen Punkt: Den Öffnungszeiten. Dort sind wir auf dem Niveau einer Dorfbibliothek. Tatsächlich hat die Bibliothek Schwerzenbach ungefähr gleichlange Öffnungszeiten pro Woche wie Dübendorf – bei 5’000 Einwohner:innen. Ich hoffe wir sind uns alle einig, dass das nicht so gut ist.
Jetzt können wir an den meisten dieser Punkte nicht von heute auf morgen etwas ändern, selbst wenn Geld keine Rolle spielen würde. Beim grössten Defizit, nämlich den kurzen Öffnungszeiten, gäbe es aber ein kosteneffizientes Instrument, um die Situation mittelfristig zu verbessern: Diese Open-Library-Technik. Wenn sie installiert ist, können die Öffnungszeiten schrittweise ausgebaut werden. Dabei kann man laufend prüfen, wie sich das z.B. auf Betriebskosten und Besucherzahlen auswirkt etc.
So haben wir dann bald nicht mehr Öffnungszeiten wie in Schwerzenbach, sondern beispielsweise wie in Volketswil. Dort ist die Bibliothek dank unbedienten Öffnungszeiten immerhin 49 Stunden pro Woche geöffnet, also doppelt so lange wie hier in Dübendorf. Und von Montag bis Freitag sind diese Öffnungszeiten immer gleich. Man brennt also seltener an als in Dübendorf. Das wäre als erster Ausbauschritt sicher erstrebenswert und realistisch.
Geschätztes Kollegium: Eine Bibliothek ist eine wichtige Bildungseinrichtung. Ich bitte Euch daher darum, das Postulat aufrecht zu erhalten. Denn billiger und schneller kommt der Forschungs-, Innovations– und Gymistandort Dübendorf auf keinen Fall zu einer angemesseneren Bibliotheksversorgung.
Vielen Dank
David Siems, Gemeinderat Grüne Dübendorf















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