Ursula Brack: Guten Abend miteinander, Auch wir von den Grünen möchten zuerst danken für die grosse Arbeit, die hier geleistet wurde. Wir finden, es geht in vielen Punkten wirklich in eine gute Richtung. Man hat an Grünräume gedacht, an Kaltluftströme und eben auch an preisgünstiges Wohnen. Ich möchte auf zwei Punkte eingehen.

Auf weitere Punkte gehen wir nachher in der Debatte ein. Zuerst zum günstigen Wohnen: Uns Grünen wird immer vorgeworfen, das sei ideologisch. Dabei ist es einfach ein bisschen Lebenserfahrung. Ich bin beispielsweise durch Westaustralien gereist nach Port Hedland. Das ist eine Stadt, in der die Leute sehr viel verdienen in diesen riesigen Minen. Die Hauspreise sind deshalb gestiegen und gestiegen. Man könnte meinen, es seien alle zufrieden. Das Problem ist: Es gibt keinen preisgünstigen Wohnraum mehr, es gibt keinen Gewerberaum mehr. Die Leute in dieser Stadt können nicht zum Coiffeur, nicht zur Bäckerei. Was tun die? Sie arbeiten die ganze Woche in der Mine und am Wochenende fliegen sie mit einem Kleinflugzeug irgendwo hin, damit sie dort noch irgendetwas städtisches erleben können. Der Wohnraum, der so teuer geworden ist, bringt ihnen nicht so viel.

Ich finde, wir sind in Dübendorf in eine ähnliche Richtung unterwegs. Wenn ich mir das Hochbord anschaue: Da hatten wir auch das Gefühl, dass die privaten Grundeigentümer dann schon schauen, dass es schön wird, dass es ein paar Bäume hat, dass man dort dann ein bisschen sein kann und vielleicht noch ein Café eingerichtet ist. Das Resultat ist jetzt: Es hat Tiefgaragen, auf die man keine Bäume pflanzen kann. Der Fleischli geht zu. Wenn es nicht noch den Westhof gäbe, den Privateigentümer freiwillig sozial gebaut haben, dann hätten wir dort eine Betonwüste.

Jetzt reden wir von Verdichtung und die FDP hat das Gefühl: „Also Bäume pflanzen muss dann gar nicht sein.“ Wir sprechen hier also von Beton-Kaninchenställen, wo man das Gefühl hat, dass die Leute dann ja nach Zürich gehen können, wenn sie irgendwas erleben oder sich erholen wollen.

Was ich auch noch sagen möchte: Ich könnte mich ein bisschen zurücklehnen. Denn ich bin tatsächlich auch Hauseigentümerin. Ich wohne an der Glatt, an einem sehr schönen Ort in Dübendorf. Ich habe trotzdem ein Interesse daran, dass preisgünstiger Wohnraum entsteht. Denn ich habe seit über 15 Jahren die gleiche Putzfrau, wir sind inzwischen befreundet. Sie wohnt selber in Dübendorf. Sie kommt vorbei und leert den Briefkasten. Wenn ich krank bin geht sie schnell einkaufen und ich umgekehrt übrigens auch für sie. Wenn sie nicht mehr hier in Dübendorf wohnen kann, sondern irgendwohin weiter weg umziehen muss, dann verliere ich nämlich auch. Ich verliere jemanden, der mir extrem viel Lebensqualität bringt.

Und wir werden uns noch die Augen reiben, wenn wir nicht darauf achten, dass diese Leute hier in Dübendorf wohnen können. Wenn die dann alle weg sind und wir hier zwar teuren Wohnraum haben, aber niemanden mehr, der Dienstleistungen erbringt, dann haben wir auch keine Lebensqualität mehr und dann ziehe ich nämlich auch weg von hier.

Dann haben wir von einem älteren Herrn gehört, dass er kein Nagelstudio braucht. Das verwundert mich ehrlich gesagt nicht so sehr. Aber es ist doch so: Wenn wir älter werden, vielleicht nicht mehr Autofahren dürfen, zu Fuss unterwegs sein müssen – das Velo ist dann ja auch schon ein bisschen prekär – und dann noch Fussprobleme bekommen, dann wäre so eine Podologie schon sehr praktisch. Zum Coiffeur will ich auch hin und wieder. Dann finde ich, dass auch in einer Wohnzone wie dem Birchlen oder dem Gfenn: Wo soll ich da noch hin, wenn ich nicht mehr gut zu Fuss bin? Da bin ich froh, wenn es dort auch ein Café oder Dienstleistungen gibt, die ich in Anspruch nehmen kann. Darum sind wir dafür, dass diese Mischzonen mit Gewerbeanteil im Zonenplan enthalten bleiben und es diesen Mindestanteil Gewerbe von 20% gibt. Danke schön.

David Siems: Guten Abend miteinander, Obwohl die Debatte ja gerade erst begonnen hat, ist sie bereits recht ausgeartet. Ich werde jetzt da nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen, keine Sorge. Was mich einfach stört als einer dieser neun Menschen, die sich in diese 600 Seiten sehr komplexe BZO-Materie gekniet haben, ist: Es wurden bereits ganz viele Sachen gesagt, Die einfach objektiv schlicht falsch sind. Etwas was mir besonders wichtig ist hervorzuheben in Zusammenhang mit dem preisgünstigen Wohnen, was eigentlich nicht mein Fachgebiet ist, aber ich finde es natürlich sehr wichtig: Die kantonale Rechtsgrundlage für das wurde in einer Volksabstimmung 2014 mit 58.5% angenommen. Das ist ein ganz klarer Auftrag, dass man da etwas macht.

Jetzt hat der Stadtrat hier eine sehr moderate Version davon aufgenommen in die BZO: Ein Teil der zusätzlich geschaffenen Wohnungen wird zu einer verminderten Rendite abgegeben – nicht zu keiner Rendite. Dies Eigentümer verdienen trotzdem etwas daran. Es ist einfach gedeckelt. Das ist keine Mehrbelastung für die Eigentümer, weil die Mehrwertabgabe nicht zusätzlich anfällt. Die Renditeminderung wird als Mehrwertabgabe anerkannt. Das heisst: Die Eigentümer bekommen eine gleichwertige Steuersenkung für diesen Renditeverlust. Es entsteht also Null Nachteil für die Eigentümer. Die entstehenden Kosten gibt man ihnen wieder zurück über die erlassene Mehrwertabgabe. Es ist mir sehr wichtig, dass das noch gesagt wird. Danke schön.

Ursula Brack & David Siems, Gemeinderatsmitglieder Grüne Dübendorf