Kommentar: Ein gleichnamiges Postulat scheiterte am 29. Juni im Gemeinderat. Unterstützt wurde es von Grünen, SP, Mitte/EVP und Teilen der GLP.
Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern ein gravierendes Sicherheitsproblem, deren Bekämpfung uns alle etwas angeht. Im Jahr 2024 wurden schweizweit 21’127 Straftaten im Bereich
häuslicher Gewalt registriert.
Der Bund hat am im November 2025 eine mehrjährige nationale Präventionskampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt lanciert. Im Kanton Zürich ist seit dem 1. November 2025 eine zentrale 24/7-Telefonnummer für Gewaltbetroffene unter 044 455 2 142 in Betrieb und die schweizweite Kurznummer 142 ist auf den 1. Mai 2026 angekündigt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Dübendorf die Prävention, die Früherkennung sowie den niederschwelligen Zugang zu Hilfe koordiniert, kommuniziert und weiterentwickelt.
In diesem Rahmen bitten wir den Stadtrat um die Beantwortung der folgende Fragen:
Columberg: Wie ist das Thema häusliche Gewalt in der Stadtverwaltung verankert und wie wird die Zusammenarbeit zwischen Bereichen wie Soziales, Sicherheit/Polizei, Schule/Jugend und weiteren städtischen Kontaktstellen koordiniert?
Stadtrat: Das Thema häusliche Gewalt wird in verschiedenen Bereichen behandelt, die Zusammenarbeit in den einzelnen Bereichen findet fallweise statt, eine gesamtheitliche Koordination gibt es heute noch nicht. Die Schule ist immer wieder mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert, da sie in einem sehr engen Kontakt zu Kindern und ihren Familien steht. Die Schule bzw. die Schulsozialarbeit (SSA) ist keine Interventions- oder Strafverfolgungsstelle, übernimmt jedoch eine wichtige Rolle in der Früherkennung, Begleitung und Vernetzung und ist damit ein wichtiger Bestandteil einer wirksamen städtischen Gesamtstrategie gegen häusliche Gewalt. Eine Kernaufgabe der SSA ist die gezielte Weiterleitung (Triage) und das Involvieren an bzw. von geeigneter Fachstellen (z. B. KESB, Opferhilfe, Schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatung, Polizei). Wo angezeigt wird das Einverständnis der Erziehungsberechtigten eingeholt.
Columberg: Welche konkreten Präventions-, Informations- und Unterstützungsangebote bestehen heute in Dübendorf (inkl. allfälliger Kooperationen mit Fachstellen), und wo sieht der Stadtrat den grössten Handlungsbedarf?
Stadtrat: Die Stadtverwaltung sowie auch die Primarschule arbeiten eng mit dem Frauenhaus Zürcher Oberland, dem KIZ und vor allem mit der Fachstelle Gewaltschutz der Kantonspolizei Zürich zusammen. Diese Institutionen bieten eine gute und institutionalisierte Unterstützung im Bereich der Prävention, werden aber auch tätig bei bereits entstandenen Übergriffen. Der Stadtrat sieht vor allem in der Kommunikation Optimierungspotential, um niederschwellig auf das bereits gut funktionierende Angebot an Unterstützungsmassnahmen zugreifen zu können.
Columberg: Welche Massnahmen ergreift der Stadtrat, damit Betroffene und ihr Umfeld die richtigen Anlaufstellen kennen – insbesondere das kantonale 24/7-Telefon und ab Inbetriebnahme die nationale Nummer 142 – und damit auch die Abgrenzung zu 117 bei akuten Notfällen klar ist?
Stadtrat: Alle wichtigen Anlaufstellen zum Thema Gewalt befinden sich auf der städtischen Website (Suchbegriff «Gewalt»). Zudem sind auf der städtischen Website auch alle wichtigen Notfallnummern (Suchbegriff «Notfallnummern») aufgeschaltet. Die neue nationale Nummer 142 wird im Mai 2026 dort ergänzt.
Columberg: Welche städtischen Kanäle und Orte nutzt der Stadtrat für Sensibilisierung und Information und ist eine mehrsprachige, diskrete Kommunikation vorgesehen?
Stadtrat: Auf der Website der Stadt Dübendorf sind entsprechende Informationen aufgeschaltet. Die Stadt verweist dort auch auf diverse Fachstellen und Webseiten, welche sich mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen und wo betroffene Personen Hilfe finden. Die in der schriftlichen Anfrage erwähnte Kampagne wird zudem mittels Flyer bekanntgemacht, welche im Stadthaus und diversen weiteren Standorten aufliegen.
Columberg: Wie kooperiert der Stadtrat mit lokalen Akteuren (z.B. Ärzt:innen/Apotheken, Vereine, lokale Geschäfte), um Hinweise auf Hilfsangebote im Alltag und im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und inwiefern erwägt er den Ausbau einer solchen Zusammenarbeit?
Stadtrat: Themenspezifisch zum Beispiel KJAD beim Pilotprojekt Suizidprävention oder der Bereich Familie/Integration arbeiten eng mit Kinderärzten zusammen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wird themenspezifisch auch in Zukunft verstärkt werden.
Columberg: Gibt es für städtische Mitarbeitende mit direktem Bevölkerungskontakt verbindliche interne Abläufe/Leitfäden sowie Schulungen zum Umgang mit Verdachtsfällen oder Meldungen, und sind in diesem Bereich Anpassungen geplant?
Stadtrat: In den einzelnen Abteilungen/Bereichen der Stadtverwaltung gibt es verbindliche Abläufe und entsprechende Schulungen. Zum Beispiel haben die Brückenbauerinnen im Bereich Familie/Integration eine Weiterbildung bei der kantonalen Opferhilfe zum Thema Opferschutz im Generellen erhalten, welche auch das Thema häusliche Gewalt umfasste. Die Primarschule Dübendorf hat die Schulsozialarbeit in ihren Schulhäusern fest verankert. Sie orientiert sich an Leitfäden des Kantons bzgl. des schulischen Umgangs mit häuslicher Gewalt. Es existiert ein Handlungsplan, der unter anderem Themen wie körperliche Unversehrtheit behandelt und weitere Angebote enthält, um die Selbst- und Sozialkompetenz und die persönlichen Schutzfaktoren der Kinder, die bei häuslicher Gewalt eine Rolle spielen, zu stärken. Neben klaren Zuständigkeiten und Abläufen in Kindsschutzfällen existiert an der Primarschule ein Leitfaden zum einvernehmlichen Kindesschutz.
Columberg: Plant der Stadtrat, sich an der nationalen Präventionskampagne zu beteiligen und falls ja: mit welchen Schwerpunkten und welchen Ressourcen?
Stadtrat: Siehe Antwort auf Frage 4, eine weitere Beteiligung sieht der Stadtrat momentan nicht vor.
Besten Dank für die sorgfältige Beantwortung unserer Fragen.
Leandra Columberg, Gemeinderätin SP, David Siems & Ursula Brack, Gemeinderäte Grüne und weitere Ratsmitglieder aus SP, EVP, MItte und GLP













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